Hon Niven - F*ck-It-Liste

“Die Fuck-It-Liste” von John Niven

John Niven ist ein netter Typ, ich habe ihn mal bei einer „Kill Your Friends“-Lesung im Berliner Ramones Museum kennengelernt und mag seine Bücher. Doch manchmal frage ich mich, wie man sich nur so krankes und brutales Zeug ausdenken kann wie in „Kill Your Friends“, „Das Gebot der Rache“ oder eben aktuelle.

 

Eine erschreckende Vorstellung

Sein neue Werk kombiniert der Schotte mit einer erschreckenden Alternativweltgeschichte und führt uns ein Amerika vor Augen, dass kaum widerlicher sein kann. Durch einen geschickten Schachzug hat Donald Trump während seiner zweiten Amtszeit seine Tochter Ivanka im Weißen Haus installiert. Sie folgt ihrem Vater auf den Thron und wird die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Spross regiert etwas sanftmütiger als der alte Herr, doch sein düsterer Schatten liegt über allem, was sie entscheidet. Das Land ist durch die vielen Jahre seiner populistischen Politik tief gespalten. Hass und Gewalt treiben irre Blüten und das öffentliche Tragen von Waffen zur Normalität geworden.

 

Die Rache einer zerstörten Seele

Hier in einer Kleinstadt lebt der ehemalige Chefredakteur John Brill. Er ist vor Kurzem, nach einem bewegten Leben in den Ruhestand gegangen. Dann erhält er von seinem Arzt die Diagnose: Krebs im Endstadium. Um all das zu tun, was man sich für später aufgeschoben hat, bleibt nun keine Zeit mehr. Er entscheidet sich, seine restlichen Tage sinnvoll zu nutzen und sich an denen zu rechen, die für die Schicksalsschläge und Verluste in seinem Leben verantwortliche sind.

 

Frank bemerkte, dass er einen ungewöhnlich hohen Puls hatte. Seine Finger waren so unruhig, als stünden sie unter Strom, und sein Mund war knochentrocken. Würde er sein Vorhaben allen Ernstes in die Tat umsetzen? 

Seine dritte Frau und der gemeinsame Sohn starben bei einem Amoklauf in der Schule, seine ältere Tochter verblutet nach einer Abtreibung und seine erste Frau stirbt nach einer zweiten gescheiterten Beziehung an einer alkoholbedingten Leberzirrhose. Akribisch genau trägt er Informationen zusammen und erstellt eine F*ck-It-Liste.

 

Nicht das beste John Niven Werk

John Niven hat eine scharfzüngige Thriller-Satire mit wahnsinniger Brutalität und guter Spannung geschrieben, dennoch gibt es für meinen Geschmack bessere Bücher des Autors. Mir persönlich fehlt das Unvorhersehbare, das mir bei seinen oben genannten Stories so gefallen hat. Es fehlen diese gewohnten Schockmomente, die Schrecksekunden, die einen immer weiter lesen lassen. Im Großen und Ganzen jedoch eine sehr gute Lektüre mit einem Szenario, das uns zum Glück erspart bleiben wird.

 


John Niven: Die Fuck-It-Liste
Heyne Verlag | München, 2020 | 321 Seiten | Hardcover, 22 €.

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