Campino

“Hope Street” von Campino

Campino sagt über sich und seine große Leidenschaft: „Es geht um mehr als nur Leben und Tod.” Mit seiner Band Die Toten Hosen ist er einer der erfolgreichsten Musiker des Landes, jetzt ist er unter die Schriftsteller gegangen. In „Hope Street“ erzählt er uns von seiner zweiten großen Liebe neben der Musik: Fußball. In den 1970ern wird Kevin Keegan, der englische Stürmer mit den wilden Locken, das große Idol des damals zehn Jahre alten Andreas Frege alias Campino.

 

Fußball und Identitätsfindung

Als Sohn einer britischen Mutter und eines Düsseldorfer Richters mit fünf Geschwistern, zeigt ihm endlich jemand, auf welcher Seite er stehen sollte. In seinem Buch erzählt er, der dank seiner Mutter auch die britische Staatsbürgerschaft hat, von Identität – dem Widerspruch seiner Herkunft und Liebe zu England, die mit jedem Sommerurlaub in Cornwall wuchs, über seine Großeltern und eben Fußball. Nach 30 Jahren Warten auf den Titel wir Campino 2020 mit dem FC Liverpool endlich englischer Meister.

Durch Covid-19 bleibt die große Feier natürlich aus. Campino schaut sich das Spiel mit der Familie von Trainer Jürgen Klopp einfach im Fernsehen auf der deutschen Insel der Reichen und Schönen an – auch ich nicht schlecht. „Seit Jahrzehnten fahre ich zu allen Spielen, die ich irgendwie erreichen kann, quetsche sie zwischen Tourpläne, Studioaufnahmen und Restleben. Erst spät habe ich begriffen, dass ich da nicht nur zu Fußballspielen fahre. Unterbewusst habe ich auf diesen Reisen mein Englischsein ausgelebt.“

 

Campino: Biografisches

Das Buch beginnt mit am 25. März 2019, dem Tag, an dem er in der Botschaft des Vereinigten Königreichs in Berlin die britische Staatsbürgerschaft erhält. Sein Sohn Lenn hat an diesem wichtigen Tag was Besseres vor, schreibt Campino.
Weiter geht es mit Fußball und es empfiehlt sich sehr, der dieser Thematik nicht ganz abgeneigt zu sein, denn von seiner Band, den Toten Hosen, handelt das Buch nur am Rande. Immer dann, wenn er mit seinen Bandkollegen ein Stadion besucht oder von einer Benefiz-Veranstaltung für seinen anderen Herzensverein Fortuna Düsseldorf schreibt.

Dennoch erfährt man einiges von Campino selbst, denn er nutzt seine Liebe zum FC Liverpool, um die deutsch-britische Geschichte seines Lebens zu erzählen. Campinos Großvater war im Dritten Reich ein NS-kritischer Richter in Berlin. Sein Vater half nach dem Krieg beim Aufbau der studentischen Hilfen für das Durchgangslage Friedland, das damals auf dem Gelände der landwirtschaftlichen Versuchsanstalt der Uni Göttingen errichtet wurde. Hier lernte er auch Campinos Mutter kennen.

 

„Früher war zu Hause da, wo man Weihnachten feiert.“

Es sind Campinos selbstkritischer Humor und die lebendige Art zu schreiben, die ihn und seine Geschichte in diesem Buch so nahbar und privat macht. Entlang der Thematik Fußball hangelt sich Campino humorvoll zu einer bodenständigen Biografie, die auch als Nicht-Fußball Fan Spaß macht. 

 


Campino: Hope Street: Wie ich einmal englischer Meister wurde
Piper Verlag | München, 2020 | 368 Seiten | Hardcover, 22 €

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Verwandte Beiträge

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.